18. Juli 2021
Das Meer, das Reich der Freiheit
Das Meer,
Das letzte Reich der Freiheit und der Normalität.
Meine älteren Freunde wissen schon, dass das Meer meine große und nicht geheime Liebe ist. Eine Liebe, die in diesen Tagen längst zur Leidenschaft geworden ist, da man nur noch auf dem Meer frei ist — mit einer Freiheit, die sich nicht in Worte fassen lässt. Nur auf dem Meer, weit draußen, ist man noch geschützt vor dem Geist der Verneinung der „Neuen Normalität“, vor der Dummheit und Feigheit derer, die die „Schöne neue Welt“ bevölkern, die sich wie eine Pest über das ganze Festland gelegt hat.
Ich will über diese euch, meinen Freunden, so bekannten Themen nicht weiter glossieren.
Ich nenne euch nur punktuell die „breaking news“ meiner letzten Ausfahrt.
Erstens: Am 12. Juli, genau an dem Tag, an dem Macron die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen in Frankreich verkündete, konnte ich in einer kleinen Bucht vor einer unbewohnten Insel abends von der Terrasse im dritten „Stock“ unserer Nachbarn — von jenem Schiff für mindestens 60 Millionen Euro, das selbstverständlich ganz zufällig neben unserem Bötchen lag — klar und zweifelsfrei die königliche Hymne Frankreichs hören, gefolgt von Beifall und einigen entschlossenen Sprechchören: „FREXIT! FREXIT! …“
Ich weiß nicht, in welchem Schlüssel diese Nachricht zu lesen ist, ich werde darüber nachdenken. Bis dahin hielt ich es für wichtig, dass ihr die Information „nackt“ habt.
Sicher ist jedoch, dass drei oder vier Tage später auch die „gewöhnlichen“ Franzosen auf die Straße gingen. Ich glaube, das erste Zeichen, das wir erahnen sollten, ist, dass die ganze Gesellschaft, von unten bis oben, am Ende ihrer Geduld angelangt ist.
Zweitens kann ich euch das Staunen nicht verschweigen, das ich empfand, als ich über 200 sehr junge Leute sah, aus aller Welt zur Yacht Week gekommen, die sich jedoch blind der Anweisung fügten, nicht zu tanzen. Denn ja, die griechische Regierung hat in ihrer Weisheit jede Form des Tanzens in Griechenland verboten, da das Tanzen CoVid begünstigt … bekanntlich!
Ich wiederhole: 200 junge Leute verbrachten eine Woche — einen Aufenthalt, für den sie mindestens 2.000 € pro Person zahlten —, ohne an irgendeinem öffentlichen Ort zu tanzen. Und wenn ich vom Tanz spreche, meine ich keinen Walzer und keinen Tango. Nein, ich spreche von diesem zeitgenössischen Tanz, diesem „minimalistischen“, streng persönlichen Tanz, bei dem man in seiner Ecke steht, ein Glas in der einen Hand, und mit der anderen Hand und einem Fuß wedelt, als hätte einen plötzlich ein Parkinson-Anfall ereilt. Ja, auch dieser „Tanz“ ist streng verboten, er ist CoVid-freundlich und vollkommen politisch unkorrekt. Weshalb die jungen Leute, alle mehr als 200, wie Steinsäulen dastanden und Alkohol tranken, viel Alkohol.
Das ist ein Zeichen dafür, dass die Virose der Angst die Jungen am schwersten getroffen hat … die Welt von morgen. Das heißt, jene sind im Begriff, das Spiel zu gewinnen.
Nicht zuletzt muss ich euch eine weitere Premiere gestehen: Bei der Rückkehr nach Athen versuchten wir, ein Restaurant zu betreten. Ein etwas feineres, wie es sich für ein Abschiedsessen gehört.
Wir konnten nicht.
Der Grund: Auf der Terrasse gab es keine Plätze, und drinnen … war ich nicht geimpft, ich hatte keinen covidischen Passierschein.
Wir gingen. Ohne Diskussion.
Und ich bereue nicht, dass wir gingen.
Mein einziges Bedauern ist, dass ich das Meer verlassen habe. Das letzte Reich der
Freiheit und der Normalität.
Das Meer.
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