28. Juni 2021
Ein Land von Zuschauern
Viele Rumänen sind Hunderte von Kilometern gefahren, um die Spiele der Europameisterschaft zu sehen. Spiele, in denen Rumänien allerdings nicht mitspielte — ein „Land“, das fußballerisch nicht einmal mehr imstande ist, den Veranstaltern Balljungen zu stellen aus der Reihe unserer Fußballer, die nur in den Klatschblättern Stars sind.
Dafür haben wir Stadien, in denen sie spielen können, jene, die wir als unsere Überlegenen hinnehmen — Stadien freilich, gebaut mit Arbeitskräften aus dem Fernen Osten.
Doch der Rumäne fühlt sich nicht gedemütigt. Er fühlt nicht, Punkt. Ebenso wenig, wie er etwas fühlt, wenn er im eigenen Land Zuschauer ist bei allen erdenklichen Grobheiten und Demütigungen, die er Tag für Tag teilnahmslos erträgt.
Denn wir haben uns daran gewöhnt, passive Zuschauer zu sein, nicht nur der Geschichte, sondern des eigenen Lebens. Wir empören uns nicht einmal (von der Tribüne aus, versteht sich), wenn ein Niemand, aber ein Chargierter der CIA, kommt und uns sagt, wie wir unsere Justiz einzurichten haben, wie und von wem unsere Reichtümer auszubeuten sind, wie wir unsere Kinder zu erziehen haben, wie und mit wem wir zu v… haben, während wir bis zum Tod wie Sklaven arbeiten.
Wir haben uns daran gewöhnt, Zuschauer zu sein. Zuschauer bei den Versuchen, die manche an unseren Leibern anstellen, am Leib unserer Nation.
Zuschauer bei unserer eigenen Hinrichtung.
Wir sind Zuschauer. Aber keine Hooligans, keine Sänger, keine Disziplinierten. Bloß Gleichgültige. Von der Sorte, die Sonnenblumenkerne spuckt und die Spieler verächtlich ansieht und sagt, wir hätten es besser gemacht … während die Spieler (die wirklichen) mit ihren Kombinationen und Pässen unsere Schicksale und unser Leben zeichnen. Na und? Niemand spuckt Kerne besser als wir! (Lächelt nicht überlegen, ihr, die ihr Frappuccino trinkt oder teuren Champagner … das ist nur die Aggregatform, die ihr den Kernen gegeben habt, nachdem ihr zwei Lei mehr verdient hattet. Oder zwei Millionen Euro … Sklaven bleibt ihr trotzdem!)
Nein, an dieser Passivität ist nichts Geistliches, Metaphysisches oder Mystisches.
Sie ist bloße Un-Empfindlichkeit.
Die Un-Empfindlichkeit eines Volkes, das vergessen hat, ein Volk zu sein.
Das Scheitern einer Nation … ist das letzte Schauspiel, dem wir noch zusehen werden!
Es sei denn, wir entschließen uns, das Spielfeld zu betreten … und sei es „illegal“, und sei es gegen die von ihnen aufgestellten Spielregeln!
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